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Liquorlabor

Liquorlabor

Liquordiagnostik bezeichnet die labortechnischen Untersuchungen der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, umgangssprachlich auch „Nervenwasser“ genannt. Der aus dem Lateinischen stammende Fachbegriff ist "Liquor cerebrospinalis", kurz Liquor. Der Liquor  wird in Hohlräumen im Inneren des Gehirns (Ventrikel) gebildet und umgibt Gehirn und Rückenmark. Er dient zur Versorgung des Nervengewebes mit Nährstoffen und dem mechanischen Schutz von Gehirn und Rückenmark vor Erschütterungen. Normalerweise ist Liquor eine farblose, klare Flüssigkeit.

Wozu dient die Liquordiagnostik?

Wichtige Erkrankungen in Gehirn und Rückenmark lassen sich nur mithilfe einer Liquoruntersuchung richtig diagnostizieren. Dazu gehören die Gehirnhautentzündung (Meningitis), die Gehirnentzündung (Enzephalitis), die Multiple Sklerose und viele andere Erkrankungen. Im Liquor kann man bei entsprechendem Verdacht selbst dann Blutungen (Subarachnoidalblutung) nachweisen, wenn die Computertomographie unauffällig ist. Außerdem lässt sich ein Krebsbefall der Hirnhäute in fortgeschrittenen Stadien bestimmter Krebsformen (Meningeosis carcinomatosa) diagnostizieren.  
Bei Gedächtnisstörungen (Demenz) spielt die Liquordiagnostik ebenfalls eine zunehmende Rolle.

Wie wird der Liquor gewonnen?

Lumbalpunktion
Durch Anklicken lassen sich die Bilder vergrößern!

Für die Liquordiagnostik ist nur eine geringe Menge (wenige ml) Liquor nötig. Er wird  durch die sog. Lumbalpunktion (Lumbus: lateinisches Wort für Lende) entnommen. Hierzu wird eine Kanüle im Bereich der Lendenwirbelsäule (meist zwischen den Dornfortsätzen des 4. und 5. Lendenwirbelknochens [LWK]) in den Wirbelkanal eingeführt, um Liquor zu entnehmen (siehe Bild). Der Einstich ist in der Regel nahezu schmerzlos. Der Einstichort liegt deutlich unter dem Ende des Rückenmarks, so dass es sich nicht - wie häufig im Volksmund behauptet - um eine Rückenmarkspunktion handelt, sondern um eine Punktion eines flüssigkeitsgefüllten Hohlraums.



Unsere ärztlichen Mitarbeiter/innen verfügen über sehr viel Erfahrung in der Durchführung einer Lumbalpunktion und klären Sie vor der Punktion selbstverständlich eingehend persönlich auf.

Wie wird die Liquordiagnostik durchgeführt?

Die Liquorprobe wird im Anschluss an die Lumbalpunktion umgehend in das Liquorlabor gebracht und je nach Fragestellung umfangreichen Spezialuntersuchungen unterzogen. Die wichtigsten Untersuchungen sind die Zellzählung, die Analyse der Zellen und die Suche nach Bakterien.

Die beiden Bilder als Beispiele unten zeigen den Befund einer bakteriellen Hirnhautentzündung und den einer Blutung (Subarachnoidalblutung). Beide Erkrankungen können lebensgefährlich sein und erfordern sofortige therapeutische Maßnahmen.

Befund einer bakteriellen Hirnhautentzündung

Beispiel für eine Blutung (Subarachnoidalblutung)

Die Liquorpunktion hat durch das rechtzeitige Erkennen schwerwiegender neurologischer Erkrankungen, wie z.B. einer Meningitis, viele Menschen vor großem  Schaden bewahrt und auch in weniger schweren Fällen wesentlich zur Diagnosefindung und damit richtigen Therapie beigetragen. Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der neurologischen Diagnostik, ohne dass Sie sich in irgendeiner Weise vor einer Punktion sorgen müssten.